Die nächsten Termine in der Stephanuskirche

Sonntag, 26. November, 09:30 Uhr
Gottesdienst Ewigkeitssonntag mit Abendmahl
Montag, 27. November, 09:00 Uhr
ganzkörperliche Funktionsgymnastik I
Montag, 27. November, 10:15 Uhr
ganzkörperliche Funktionsgymnastik II
Dienstag, 28. November, 09:30 Uhr
Miniclub
Mittwoch, 29. November, 19:30 Uhr
Kirchenvorstandssitzung
Sonntag, 03. Dezember, 19:00 Uhr
Taizé-Andacht

Krankenhausseelsorge rund um die Stephanuskirche

„Seelsorge – Wir sind für Sie da“, lesen Patienten, die den farbigen ökumenischen Seelsorgeflyer im Krankenhaus der Barmherzigen Brüder in die Hand nehmen.

Sie sehen in dem im Mai 2012 erstmals erschienenen Informationsblatt die drei hauptamtlichen Seelsorger abgebildet – den Ordenspriester, die Pastoralreferentin und mich, als zuständige Pfarrerin – und erfahren, wie wir für sie da sein wollen: „Als Seelsorgerinnen und Seelsorger begleiten wir Sie ein Stück des Weges und nehmen uns gerne Zeit für Sie. Gesundheit ist ein kostbares Gut, Krankheit eine große Herausforderung und Belastung. Die Seelsorge kann Ihnen helfen, sich in dieser neuen Situation zurechtzufinden und in einer schwierigen Zeit, ja Krise, zu bestehen. Wir sind für Sie da, unabhängig von Ihrer Konfession oder Religionszugehörigkeit bzw. individuellen Weltanschauung. Bei Bedarf benachrichtigen wir auch Vertreter anderer Religionsgemeinschaften. Auch Ihren Angehörigen stehen wir als Ansprechpartner zu Verfügung. Oft gelingt es, miteinander Hilfreiches für die momentane Situation zu entdecken und neue Perspektiven zu entwickeln. Bitte setzen Sie sich mit uns in Verbindung oder lassen Sie uns durch die Pflegenden rufen.“

Beistand in schwieriger Zeit

In diesen Worten drückt sich etwas vom Selbstverständnis evangelischer Seelsorge aus: Sie hat Gehstruktur, ist an den Bedürfnissen des Gegenübers orientiert, arbeitet mit religiösen Symbolen, Riten und Ritualen, sucht nach spirituellen Ressourcen, Deutemustern und Sinnstrukturen, ermöglicht Verstehen und Vergewissern auf dem Hintergrund christlich-jüdischer Überlieferung, schenkt Nähe und Zuwendung und Kontakt zu dem transzendenten Grund der Wirklichkeit. Im Gespräch mit Menschen im Krankenhaus treten eine Vielzahl von Themen in den Vordergrund. Es überrascht mich immer wieder, wie breit die Anliegen sind, die Patienten oder deren Angehörige uns gegenüber ins Wort bringen. Die Inhalte kreisen um Themen wie Endlichkeit und Begrenzung, Leistung und Rechtfertigung, Schuld und Vergebung, Hoffnung und Verzweiflung, Einsamkeit und Gemeinschaft, Freiheit und Verantwortung, irdisches und ewiges Leben, Glauben mit und ohne Kirche, die eigene Familie und die Beziehungen darin mit aller Last und Freude. Oftmals taucht ganz unerwartet ein Erlebnis aus der eigenen Biografie auf, das jetzt eine neue Aufmerksamkeit braucht. Mit großer Achtsamkeit und Einfühlungsvermögen ist aufzunehmen, was gerade da ist im Hier und Jetzt zwischen Ich und Du.

Hoffnung spenden und Gottes Liebe erfahrbar machen

Das Angebot der Seelsorge habe ich in einer Patienteninformation einmal so ausgedrückt: „Es ist unser Wunsch, Hoffnung zu spenden und etwas von der Liebe Gottes erfahrbar zu machen zum Beispiel durch achtsame und vertrauensvolle Gespräche, verständnisvolle Anteilnahme und Wertschätzung, Beistand in Angst, Einsamkeit und Trauer, Schweigen und Beten miteinander, durch heilsame Rituale am Krankenbett, Segenshandlungen, Begleitung bei ethischen Fragestellungen und Entscheidungsprozessen und die Ermutigung durch das biblische Wort.“ Hinweise zum Empfang der Sakramente und zu gottesdienstlichen Angeboten schlossen sich an. Als Krankenhausseelsorgerin an der Stephanuskirche unter dem Dach der Evangelischen Dienste in München bin ich für vier Kliniken zuständig. Dazu gehören die drei katholischen Häuser Klinikum Dritter Orden, Krankenhaus Barmherzige Brüder und das Krankenhaus Neuwittelsbach sowie das Deutsche Herzzentrum des Freistaates Bayern an der TU München. In allen Kliniken gibt es verschiedene Traditionen, unterschiedlich gute Strukturen für Seelsorge und verschiedene katholische Partner. Es ist eine große Herausforderung, das für die Kranken-hausseelsorge Notwendige und Wünschenswerte mit der Realität einer (seit 2011) um die Hälfte gekürzten Krankenhausseelsorgestelle in Einklang zu bringen. Auf eigene, rein evangelische gottesdienstliche Angebote habe ich in Rücksprache mit dem Kirchenvorstand ganz verzichtet.

Ökumenische Seelsorge im Klinikum Dritter Orden

Im Klinikum Dritter Orden, wo die Seelsorge vorbildlich ökumenisch aufgestellt ist, gibt es jedoch noch immer, weil fest installiert, viele regelmäßig stattfindende ökumenische Wortgottesdienste, wie zum Beispiel Gedenkfeiern für Verstorbene (Erwachsene und Kinder getrennt), die Gemeinschaftsbestattung von Stillgeborenen unter 500 Gramm, Schulanfangs- und Schulschlussgottesdienste für Lehrende und Lernende in der Krankenpflegeschule, dazu Gottesdienste im Jahreslauf und zu bestimmten Festzeiten. Nur im Klinikum Dritter Orden gibt es auch ein ökumenisch geführtes Team von acht Ehrenamtlichen, das mit den derzeit noch sechs Hauptamtlichen zusammenwirkt. Die Ehrenamtlichen ermöglichen die Präsenz eines evangelischen sowie eines katholischen Ansprechpartners auf jeder Station und geregelte Besuchszeiten. In den beiden anderen katholischen Häusern arbeite ich neben der katholischen Seelsorge mit nur gelegentlichen Absprachen ohne die Unterstützung von Ehrenamtlichen. Derzeit fließt eine Menge Energie in die Gewinnung von neuen Ehrenamtlichen, die wir in einem ersten ökumenischen Ausbildungskurs nach vereinbarten Standards am Klinikum Dritter Orden ausbilden wollen. Der Start dazu war im Herbst 2012.

Immer in Rufbereitschaft

Überall (außer im Deutschen Herzzentrum) stehen Listen der evangelischen Patienten zur Verfügung, sodass wir diese gezielt besuchen können. Häufig wird die Seelsorge auch vom Pflegeteam gerufen. Ich selbst bin an drei Tagen der Woche erreichbar, die Geistlichen der Stephanuskirche stellen sich die übrigen vier Tage zur Verfügung. Sie können einem Ruf aber verständlicherweise nicht immer zeitnah entsprechen. Für das Deutsche Herzzentrum beteiligt sich darüber hinaus die Christuskirche freitags an der Rufbereitschaft.

Unverzichtbar im Gesundheitswesen

Wie kostbar unser Dienst ist, merke ich immer wieder: Wenn es um Trauerarbeit im Sterbeprozess geht, wenn ein Kind in Lebensgefahr die Nottaufe erhält, wenn ein Ausgetretener seine Wiederaufnahme feiert, wenn wir Neugeborene segnen, wenn Pflegende nach stressvollen Situationen Luft holen und das Erlebte im Gespräch durcharbeiten, wenn vor einer Operation durch das Gebet innere Ruhe wiedergefunden wird und wenn Kranke und Einsame in Kontakt kommen mit ihrer Kirche, mit ihrem Glauben und aussprechen können, was sie auf ihrem Glaubensweg erfahren haben. Seelsorge ist im Gesundheitswesen unverzichtbar. Sie trägt dazu bei, dass der Mensch ganzheitlich gesehen und in seiner Einzigartigkeit gewürdigt wird. Bei komplexen Krankheitsverläufen und aufgrund der Möglichkeiten unserer hoch spezialisierten Akutkrankenhäuser tauchen vermehrt ethische Fragestellungen auf, die einen intensiven Austausch aller im behandelnden Team auch mit den Betroffenen nötig macht. Seelsorger sind dann manchmal gesuchte und geschätzte Gesprächspartner. Die palliative Komplexbehandlung, die durch den Gesetzgeber Seelsorge an Sterbenden und ihren Angehörigen abrechnungsfähig gemacht hat, zeigt, wie unverzichtbar der Beitrag der Seelsorge geworden ist. Für die Zertifizierung von onkologischen Zentren ist der Nachweis über Seelsorge und die Erfassung ihrer Leistungen Standard geworden. Ich selbst habe in drei der vier Kliniken die Schwerpunkte meiner Arbeit folgendermaßen verteilt: Ich betreue erstens die Intensivstationen (Dritter Orden, Barmherzige Brüder und Neuwittelsbach – hier liegen vor allem Patienten, die auf eine Organspende warten), zweitens Stationen mit überwiegend onkologischen Patienten und drittens die Palliativstation bei den Barmherzigen Brüdern mit ihren 32 Betten. Wenn es dann hin und wieder heißt „Gott sei Dank waren Sie da“, dann gehe ich dankbar nach Hause. Ja, in allem immer wieder: „Gott sei Dank.“

Irmgard Wolf-Erdt
www.wolf-erdt.de